Zeitung als Dämmung
Das Brennpunktstadtteilmehrfamilienmietshaus 77 hat wirklich schon jeder Menge Mietern eine Heimat gegeben, die in ihren Mauern Geschichten erlebt und manchmal auch Geschichte hinterlassen haben, wie hier:

„Mir fällt etwas Lustiges ein“, sagte 77. „8a wollte doch wissen, wie wir gedämmt waren. So gut wie gar nicht. Aber einige Familien haben die Wände zusätzlich mit Stroh verputzen lassen. Was mein Eigentümer immer emsig fotografiert, wenn es zutage kommt, sind die Fußbodendielen und die Wände, die mit Zeitungspapier beklebt wurden. Auch in den 60ern noch.“ Ein Bild vom Fußboden erschien. „Man kann sogar noch die Rezepte und Zeitungsanzeigen lesen.
Ein neues Bild erschien und vergrößerte sich.
„Schicke Regenmäntel unter der Überschrift: Gute Laune bei Regenwetter. Oder hier: Das kleine Tageskleid. Und eine Reportage: In liebevollen Händen befinden sich die Tiere des Zoos. Dem erfahrenen Direktor stehen verständnisvolle Pfleger helfend zur Seite.“ Zu sehen waren Schwarz-Weiß-Fotos von Pferden, Schimpansen und Elefanten.
Bei der neuesten Renovierung wird dieser Fußboden mit Trittschalldämmplatten belegt – so dass die Dielen mit den aufgeklebten Zeitungen von 1963 einige weitere Jahrzehnte erhalten bleiben werden.
In einem anderen Haus fanden die Maler lose Zeitungspapiere unter dem Fußbodenbelag als Dämmung liegen – und da sie tatsächlich von 1952 und 1953 und eigentlich noch gut erhalten waren, wanderten sie in die Museumswohnung, wo sie mit Handschuhen gerne durchgeblättert werden können. Besonders die Werbung ruft immer wieder Schmunzeln hervor.
Wenn Häuser erzählen...
Was steckt hinter den sprechenden Häusern des Romans „Ich brauch nicht lüften“? Sind das wahre Geschichten? Hier gibt es Hintergrundinfos zu Szenen aus dem Roman.






